So kraftvoll wie (m)ein Berg – Hausgeburtsbericht von Tanja Weisenbach

So kraftvoll wie (m)ein Berg – Hausgeburtsbericht von Tanja Weisenbach

Ich freue mich sehr, dass Tanja eine der 10 Frauen ist, deren Geburtsberichte das E-Book “Von uns für dich” nun schmücken. Ihr Bericht hat mich bei jedem Lesen so “klar” und präsent werden lassen. Sie findet einfach wunderschöne, tiefgehende Worte, danke Tanja 🙂

Um die Geburt meines Sohnes in Worte zu kleiden gibt es eigentlich keine Worte. Es war ein tiefes Gefühl des Friedens, das ich in diesem Moment erleben durfte. Und dafür bin ich zutiefst demütig und dankbar. Der Schöpfung, dem Leben. Ich durfte nicht nur eine sehr heilsame Geburt erleben sondern auch eine sehr achtsame, liebevolle, glückliche, zufriedene und ausgeglichene Schwangerschaft. Wenngleich auch meine Schwangerschaft durch Höhen und Tiefen -sowohl in privater wie auch in beruflicher Hinsicht – gekennzeichnet war, empfand ich sie als unglaublich heilvoll.. so wie das Leben ist: eine Welle, mit Schaumkronen und Wogen der Begeisterung; mit Ebbe und Flut; mit Sturm und stiller See. So habe ich das tiefe Gefühl, dass sich durch die Geburt nicht nur mein Kind neugeboren hat, sondern auch ich neu geboren wurde. Ich habe die Schwangerschaft als tiefe transformierende Zeit erfahren, in der ich sehr empfänglich und offen für Energien jeglicher Art war, die mich sowohl innerlich wie auch äußerlich dazu anregten, das Leben mit all seinen Facetten, Vergangenheit , Gegenwart und Zukunft von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten, sie anzusehen und wenn nötig, liebevoll gehen zu lassen oder sich ich in Hingabe mit dem Vergangenen zu versöhnen. So empfand ich es als unglaublich wichtig auch meine eigene Geburt noch einmal aufzuarbeiten, denn ich denke in der eigenen Geburt stecken die prägendsten Momente, sicher die meisten Traumatas, die uns zeitlebens begleiten und die sich zweifelsohne noch einmal gebären wollen während der eigenen Geburt des Kindes. So war und ist mir schon immer bewusst, dass unser Körper nur im Zusammenspiel mit unserer Seele und unserem Geist funktioniert. Mit dieser Bewusstheit habe ich auch meine Schwangerschaft und nicht zuletzt die Geburt meines Sohnes erlebt. Ich habe viel Achtsamkeitsübungen gemacht, bin bewusst viel barfuß gelaufen, habe mich geerdet, meditiert, mit allen Sinnen das Leben wahrgenommen, wie z.B. voller Bewusstheit die Wassertropfen beim Duschen gespürt oder meine Hände in den Schnee gesteckt um zu erfahren welches Gefühl sich breit macht und es mit anderen Worten als kalt und schmerzvoll zu beschreiben. Ich habe bewusst meine Ängste angeschaut, sie gefragt, woher sie kommen und was sie mich lehren wollen, und sie in Liebe transformiert. Ich denke die Schwangerschaft ermöglicht jeder Frau einen tiefen Zugang zu sich selbst zu finden, da wir in dieser Zeit besonders empfänglich sind und einen guten Zugang zu unserer eigenen Seele und der Schöpfung haben. Die Frau sollte sich nur erlauben diesen Zugang zu öffnen, ihn für sich zu nutzen, ihn anzunehmen und nicht zuletzt zu lernen, mit den Werkzeugen der eigenen Schöpferkraft umzugehen. In die Stille gehen ist ein erster guter Schritt dorthin. Mit allen unseren fünf Sinnen unsere Alltagsaufgaben bewältigen; was sehe ich, was höre ich, was rieche ich, was schmecke ich, was fühle ich? in diesem Moment?! So habe ich mich bewusst immer ins Hier und Jetzt geholt und mich nicht mit dem Morgen oder dem Gestern beschäftigt. So habe ich mich letztlich auch auf den großen Moment der Geburt vorbereitet, die ein einziger kraftvoller JETZT-Moment ist und in dem dir das Gestern und das Morgen nicht sonderlich dienlich sein kann. Ich war die ganze Schwangerschaft über bis zuletzt im tiefen Vertrauen, dass mein Körper immer perfekt für mich arbeitet und dass ich meinem Baby und meinem Körper zu 100% vertrauen kann, dass sie wissen, was zu tun ist. Entgegen viele Meinungen und Ratschläge, ich solle doch beim ersten Kind keine Hausgeburt wagen, war ich trotz allem vom ersten Moment der Schwangerschaft an der festen Überzeugung, dass für mich nichts anderes in Frage kommt. Ich bin keine Patientin, noch gebe ich meine Verantwortung in fremde Hände wenn es um meinen Körper und mein Baby geht. Geburt wird seit Jahrtausenden praktiziert und soll plötzlich ein medizinischer Vorgang sein? Hippokrates, der übrigens einer der ersten Geburtshelfer war, schreibt in seinen Aufzeichnungen von Geburtsfesten und in keiner seiner Aufzeichnungen ist von Komplikationen oder Schmerzen die Rede.
Die Natur arbeitet immer perfekt. Warum sollte sie uns daher Aufgaben übermitteln, deren wir nicht gewachsen sein sollen? Die Schöpfung, das Leben, sie arbeiten immer FÜR uns. Sollten wir wirklich beim schönsten Akt, den die Schöpfung uns schenkt, leiden und unsere Verantwortung abgeben müssen? Diese und noch so ein paar mehr Fragen stellte ich mir, ganz rational.. und so kam ich zu der Erkenntnis, dass ich dazu geboren worden war zu gebären und letztlich zu meinem festen Entschluss, eine wundervolle Geburt zu erleben. Und ich sollte für meinen Sanftmut, mein Vertrauen, meine Geduld und meine Hingabe belohnt werden.
An einem frühen Freitagmorgen Ende April spürte ich mit ersten Wellen, dass mein kleiner Sohn sich wohl heute auf den Weg machen will. Sanft stupste er an und sagte mir, dass es jetzt dann bald los geht. Ich nahm die Möglichkeit noch weiterhin Kräfte zu sammeln und weiter zu schlafen, solange bis es mir möglich war. Gegen 5:30 Uhr war ich dann doch freudig erregt und konnte nicht mehr schlafen. Ich stand auf und lief ein wenig umher.. in unserem – damals noch im Hause der Schwiegereltern – kleinen 1-Zimmer- Dachappartement, das mein Freund und ich zu der Zeit bewohnten. Ich sah aus dem Fenster und wusste, dass heute ein wunderschöner Tag werden würde.
Nicht nur die Sonne zeigte sich hinter dem Berg, auch meine kleine Sonne im Bauch kam immer stärker und regelmäßiger zum Vorschein 🙂 Gegen 6 Uhr hatte ich einen Wellen-Abstand von etwa 5 Minuten. Zu keiner Zeit verspürte ich ein ungutes Gefühl. Ich war einfach nur zufrieden und gab mich dem hin.
Auch mein Freund stand langsam auf, den bat ich erst mal mir einen Tee zu kochen.
Die Wellen waren gegen 7 Uhr mit einem Abstand von etwa drei bis vier Minuten sehr regelmäßig und wurden auch kraftvoller; daraufhin entschied ich mich meine Hausgeburt Hebamme anzurufen.
Die war auch noch etwas verschlafen aber freute sich auch sehr und sagte mir sie mache sich gleich auf den Weg. Bis meine Hausgeburt Hebamme eintraf, bat ich meinen Freund, doch schon mal den Geburtspool aufzupumpen. Das hat er dann auch gemacht. Ich habe währenddessen meine Wellen veratmet und mich mit unserem Hausberg, dem Grünten, einem 1400 Meter hohen Berg, der direkt vor meinem Fenster steht, verbunden. Seltsamerweise hörte ich ihn immer sagen: du bist kraftvoll und unerschütterlich genau wie ich 🙂
Das gab mir unwahrscheinlich viel Kraft.
Um 8 Uhr traf dann meine Hausgeburt Hebamme ein und keine drei Minuten später hörte ich nur einen leisen Plopp und sie sagte: “ja das war dann wohl die Fruchtblase!”
Ich war noch sehr “im Außen”, wir lachten über den “Plopp”, meine Stimmung war noch relativ locker.
Wir tranken noch gemeinsam einen Tee, ehe ich mich gegen 8:30 Uhr in den Pool begab. Mein Freund entzündete noch die Kerze an der Duftlampe, die ich zuvor mit meinem Lieblingsduft, dem Entbindungöl von Ingrid Stadelmann, befüllt hatte. Auch während meiner Schwangerschaft kam dieser Duft fast täglich zum Einsatz. Er versetzte mich immer spontan in einen tiefen Entspannungszustand.
Kaum in der Wanne angekommen gab es nur noch mich, das Wasser und meinen Berg. Mein Partner und auch meine Hebamme hielten sich sehr zurück. Ich war in mir und atmete tief zu meinem Baby.
Zu keinem Zeitpunkt hätte ich eine Uhrzeit nennen können, ja geschweige denn einen Tag.  Ich war einfach nur im Jetzt!
Mein Berg gab mir so viel Kraft und immer wieder hörte ich ihn in meinen Gedanken sagen “du bist so kraftvoll, du bist so stark, du bist wie ich ein Fels in der Brandung!”
Wow, die Wellen verspürte ich mittlerweile mit einer unglaublichen Kraft, die mich vom Scheitel bis zu den Fußsohlen durchfuhr. Ich spürte regelrecht wie das Leben durch mich durchfloss. Ich war Dienerin der Schöpfung und ich fühlte mich so kraftvoll und stark. WOW!
Mit meinen Händen spürte ich ein Köpfchen, das sich AUS mir gebar. Diese Kraft, die sich um mich, in mir und um meinen Körper legte war unbeschreiblich schön. Ich nahm noch zwei tiefe Atemzüge, atmete tief ein und tief aus und mit einer letzten Welle gebar sich mein Baby.

Langsam und behutsam sah ich es noch unter der Wasserdecke schwimmen, ehe ich es aus dem Wasser nach oben auf meine Brust legte. Und da war er dieser kleine, wunderbare, absolut vollkommene Mensch. Er sah mich mit großen Augen an, hinter mir, direkt an meinen Schultern, war sein Papa, der ihn ebenso glücklich und vertrauensvoll wie ich anblickte. Diesen Moment werde ich nie vergessen.
Es war ein Moment tiefen Friedens, der den gesamten Raum erfüllte.
Aus 3 wurde EINS IN DIESEM MOMENT!
Kurze Zeit später gab unser kleiner Sohnemann auch seine ersten Töne von sich und begrüßte die Welt mit einem lauten Urschrei.
Bald darauf verließen wir das Wasser und begaben uns auf unser großes Bett wo ich etwa eine halbe Stunde später die Plazenta gebar. Ich hatte keine Uhrzeit aber die Hebamme versicherte mir, dass der kleine Mann um 10:38 Uhr das Licht der Welt erblickte.
Ganz entspannt begrüßten wir ihn. Etwa zwei Stunden lag er nur auf meiner Brust, bevor ihn die Hebamme noch vermaß und wog. Gegen 13 Uhr verabschiedete sich auch die Hebamme und von da an genossen wir eine wunderbare Kuschel- und Stillzeit, die bis heute anhält 🙂
Aho kleine große Seele. Ich danke dir aus tiefem Herzen, dass du mir diese kraftvolle Erfahrung geschenkt hast.

 

TanjaTanja Weisenbach, ist 31 Jahre alt und lebt mit ihrem Partner und ihrem Sohn im Allgäu. Sie arbeitet als HypnoBirthing – Coach, Doula und integrale Wegbegleiterin. Zudem bietet sie mit ihrem Projekt Lightbirth eigene Kurse und Angebote an, wie z.B. Birthkeeper, Optimal gebären im Krankenhaus oder Frauenkreise. Überdies ist sie Autorin des ersten veganen breifrei Kochbuchs.

Ihre Seite: http://www.lightbirth.de/

 

 

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