<p>Meine selbstbestimmte Geburt – Gastbeitrag von Manuela Joho-Steck</p>

Meine selbstbestimmte Geburt – Gastbeitrag von Manuela Joho-Steck

Bei der ersten Geburt habe ich „normal“ in der Klinik entbunden. Der Augenblick, als unser Sohn das Licht der Welt erblickte war wunderschön. Aber der ganze Rest, das alles drum herum, war gar nicht schön. Man hat mich gestresst, mir Angst gemacht vor den Presswehen, meinen Mann dazu gebracht, dass er mich belogen hat, etc. So etwas wollte ich nicht noch einmal erleben.

Als ich wieder schwanger wurde habe ich mich mit Hypnobirthing auseinander gesetzt. Da in meinem Inneren eine Geburt schon immer etwas ganz natürliches war, das von Natur aus perfekt funktioniert, wusste ich schon bald, dass dies die richtige Richtung für mich ist. Ich habe ein Buch darüber gelesen (ich weiß leider nicht mehr welches) und die dazugehörige CD immer wieder gehört. Als dann die Geburt kam, war ich entspannt. Wir gingen wieder in die Klinik. Ich hatte keinerlei Schmerzen, die Wehen gut im Griff. Dann kam der Wendepunkt: Die Hebamme legte mir einen Gurt um den Bauch, um die Herztöne meines Babys ständig zu kontrollieren (routinemäßig). Dieser Gurt hat mich sehr gestört, ich fühlte mich eingeengt, hatte das Gefühl, nicht richtig atmen zu können, er schnürte mich ein. Trotz mehrmaligem Betteln weigerte die Hebamme sich den Gurt abzunehmen. Dieses Diskutieren mit ihr hat mich völlig aus meiner Mitte gebracht. Und ich fand auch bis zum Schluss nicht mehr hinein. Zum Glück dauerte es nur noch 20 Minuten bis unsere Tochter auf die Welt kam – doch diese Minuten waren wirklich sehr sehr hart.

 

Planung meiner Traumgeburt

Danach durfte ich nochmal das Wunder der Schwangerschaft und Geburt erleben. Und diesmal sollte wirklich alles anders werden. Zu Beginn der Schwangerschaft kam immer wieder der Wunsch in mir hoch meine beiden Kinder bei der Geburt ihres Geschwisterchens dabei zu haben. Doch das stieß anfangs bei meinem Mann auf taube Ohren. Das macht man doch schließlich nicht, Kinder haben bei einer Geburt nichts zu suchen, danach sind die doch traumatisiert! Doch der Wunsch in mir verstummte trotz allen Gegenargumenten der Menschen um mich herum einfach nicht. Ich begann das Internet nächtelang zu durchforsten. Ich suchte Berichte von Müttern, welche die älteren Geschwister bei der Geburt dabei sein ließen. Ich fand leider nicht sehr viel Positives darüber. Auch hier waren die Stimmen mehrheitlich negativ, genau wie in meinem Umfeld auch.

Trotzdem verstummte der Wunsch immer noch nicht. Ich hatte noch so gut in Erinnerung, wie unser Sohn ins Spitalzimmer rein kam und mich und seine Schwester anschaute. Er war so verloren. Ok, das Baby da soll jetzt angeblich aus meiner Mama rausgekommen sein. Aber wie denn? Und warum durfte ich nicht dabei sein? Eine Geburt soll doch angeblich etwas Schönes sein? Warum hat mich Mama dann ausgeschlossen aus diesem Erlebnis? Ich gehöre doch genauso zur Familie?

 

Dann habe ich für mich alleine etwas beschlossen: egal, was alle anderen sagen, ich mache das, was für mich stimmt! Bei dieser Geburt bestimme ich alleine, was am besten für mich, mein Baby und meine kleine Familie ist! So kam dann auch das Thema Hausgeburt immer mehr auf. Ich weiß noch genau, als ich meinem Mann sagte, ich wünsche mir eine Hausgeburt, war er geschockt. Das macht man doch schließlich nicht! Doch, warum denn eigentlich nicht? Ich habe meinen Mann gefragt, ob er denn Angst habe, dass es Komplikationen geben würde unter der Geburt und er antwortete mit einem ganz klaren nein. Dann habe ich ihn gefragt, wo ER sich denn wohler fühlen würde bei der Geburt. Und er antwortete mit „ganz klar zu Hause“. Er fühlte sich wohler zu Hause, ich fühlte mich wohler zu Hause und das ganze Thema mit den größeren Geschwistern war mit einer Hausgeburt sowieso so gut wie vom Tisch. Also weg mit all den Vorurteilen und Fremderwartungen an uns – wir machen eine Hausgeburt.

 

Vorbereitung

Eine Hebamme zu finden war nicht so schwer. Jetzt musste ich es nur noch hinkriegen, dass ich trotz Störungen und Ablenkungen um mich herum in meiner Mitte bleiben oder schnell wieder dorthin finden kann. Deshalb besuchte ich dieses Mal einen Hypnobirthing-Kurs zusammen mit meinem Mann. Wau, es war einfach hammer! Der Kurs war unschlagbar! Man lernt etwas fürs Leben, nicht nur für die Geburt. Besonders auch meinem Mann hat der Kurs sehr gut getan. Er wusste danach genau was seine einzige Aufgabe bei der Geburt sein würde: Mir den Rücken zu stärken, meine Wünsche um- und durchzusetzen, damit ich mich nur auf mich, das Baby und die Geburt konzentrieren kann. Wir waren nach diesem Kurs richtig gestärkt und voller Selbstbewusstsein.

 

Die Wochen vergingen und ich machte fleißig meine Selbsthypnose-Übungen, las mein Drehbuch immer wieder durch. Die Selbsthypnosen taten mir sehr gut, ich konnte mich dabei richtig entspannen. Eine dieser geführten Selbsthypnosen hieß 3-mal gebären. Darin stellt man sich die Geburt bis ins kleinste Detail vor – als Gebärende, als Zuschauerin und als Erzählerin. Hm, nur in meinen Vorstellungen tauchte nie eine Hebamme auf. Ich erzählte meinem Mann davon mit dem Hinweis „wir dürfen bei der Geburt nicht vergessen die Hebamme anzurufen“.

 

Geburt

Dann kam der errechnete Termin. Es tat sich nichts. Den darauffolgenden Tag haben wir nochmals richtig mit den Kindern genossen. Der Abend war dann irgendwie komisch. Meine Kinder klebten regelrecht an mir, wollten gar nicht mehr aufhören zu kuscheln, hatte sehr Mühe einzuschlafen. Um 03:17 Uhr bin ich aufgewacht mit einem grummeln im Bauch. Ich musste schnellsten auf die Toilette – doch diese war leider ca. 300 Meter entfernt, denn wir waren auf dem Campingplatz in unserem Wohnwagen (Dauerstandplatz). Also anziehen, zu den Toiletten laufen. Oh je, dachte ich, ich habe Durchfall. Kaum war ich wieder im Wohnwagen zurück musste ich gleich wieder umkehren und nochmals auf die Toilette. Erneut zurück im Wohnwagen kuschelte ich mich ins Bett. Nur 5 Minuten später wachte meine Tochter auf und konnte nicht mehr einschlafen. Es war nun 04:05 Uhr. Ich nahm meine Tochter zu mir ins Bett und kuschelte mit ihr. Doch mein Bauch fing wieder an zu grummeln. Nur hatte ich diesmal so ein Gefühl dabei, dass dies nicht mehr vom Durchfall kommt. Ich wartete etwas, dann weckte ich meinen Mann. Um 04:28 Uhr gingen wir beide raus ins Vorzelt, um zu besprechen, was wir jetzt machen sollen. Wir waren uns nicht sicher, ob das nun Wehen sein sollen oder nicht. Im Nachhinein weiß ich, ich wollte es einfach nicht wahrhaben, denn ich hätte gerne noch etwas mehr übertragen. Zudem darf man erst um 07:00 Uhr aus dem Camping rausfahren, vorher herrscht Nachtruhe. Und ich wollte nicht wegen eines Fehlalarms gegen diese Regel verstoßen. Ich wollte mich auch nicht mit einem Fehlalarm blamieren. Es war ja schließlich schon meine dritte Geburt und da sollte man doch (so meine Gedanken in diesem Moment) erkennen können ob es Wehen sind oder nicht. Um 04:38 Uhr war meinem Mann und mir dann doch klar, dass es Wehen sein mussten. Sie kamen regelmäßig und die Abstände betrugen 2-3 Minuten. Na dann, den Kindern einen Pulli übergezogen (beide waren mittlerweile wach) und ab ins Auto.

 

Die Fahrt dauerte zum Glück nur 8 Minuten, um 05:02 Uhr waren wir zu Hause angekommen. Die Kinder sind gleich ins Spielzimmer als ob sonst nichts wäre. Und als ob ich mir selber sagte, so, jetzt sind wir daheim, es darf richtig losgehen, ging es auch schon los. Es kam eine Wehe nach der anderen. Ich hatte keine Pausen mehr dazwischen. Mein Mann erfüllte seine Aufgaben tadellos! Zuerst schloss er sämtliche Fensterläden, damit ich nackt in der Wohnung umherlaufen konnte. Kleidung ertrug ich nicht mehr. Ich hatte das Gefühl damit nicht mehr atmen zu können. Es war höllisch heiß in unserer Wohnung, Hochsommer halt. Ich lief also nackt in der Wohnung rum, so fühlte ich mich sehr wohl. Es war sehr anstrengend in meiner Mitte zu bleiben, da ich einfach keine Pausen zwischen den Wehen mehr hatte. Von meinen Kindern merkte ich gar nichts und auch sie ließen sich durch mich nicht stören. Mein armer Mann rannte in dieser Zeit quer durch die Wohnung, um den Pool aufzublasen, das Wasser einzulassen, die Kerzen anzuzünden, das Duftlämpchen in Betrieb zu nehmen etc. Etwa um 05:55 Uhr kam mir dann mal in den Sinn, dass wir ja der Hebamme noch gar nicht Bescheid gesagt haben! Also rief mein Mann noch schnell die Hebamme an. Nach dem Telefonat sagte ich ihm, dass ich jetzt unbedingt in den Pool müsse. Er meinte nur, dass dieser noch gar nicht ganz voll sei, doch das war mir egal. Ich merkte, dass ich jetzt in den Pool musste um mich weiter entspannen zu können, denn wie schon bei den beiden Geburten vorher auch: im warmen Wasser fühle ich mich einfach am wohlsten.

 

Im Pool kam erst mal Ruhe rein. Mein Mann hatte den Raum so perfekt vorbereitet. Es war eine wundervolle Stimmung mit Kerzenschein und meiner ausgewählten Geburtsmusik. Ich konnte mich entspannen, völlig loslassen und vollkommen in meiner Mitte sein. Ich war ganz allein im Raum (übrigens in unserer Küche). Mein Mann war bei den Kindern. Doch schon nach ein paar Minuten merkte ich, dass die Presswehen kamen. Ich erschrak regelrecht und rief meinen Mann. Es machte mir wirklich Angst, ich dachte, das kann doch gar nicht sein, nicht schon jetzt. Zum Glück sagte mein Mann mit ruhiger Stimme, dass das bestimmt genau so sein müsse und ich mir wieder vertrauen soll, mich wieder entspannen soll. Das tat ich dann auch. Mein Mann ging wieder, ich war wieder allein, es war perfekt. Nochmals ein paar Minuten später spürte ich so einen enormen Druck dem ich einfach nachgeben musste. Also holte ich ganz tief Luft und atmete laut und stark mit einem jaaaaaa aus. Unsere Kinder erschraken etwas, sie waren so in ihr Spiel vertieft, dass sie die Geburt völlig vergessen hatten. Sie kamen mit meinem Mann zur Küche, er nahm beide in den Arm und erklärte ihnen, dass jetzt dann gleich ihr Geschwisterchen auf die Welt käme. Noch einmal kurz mit einem ja ausgeatmet und dann war auch schon der Kopf da! Die Kinder kamen mit meinem Mann in die Küche, sie schauten sich das ganz genau an und waren richtig begeistert sowie fasziniert – und nicht geschockt! Und ich war so glücklich, meine drei größten Schätze bei mir zu haben, und sonst niemanden. Niemanden, der an mir herumtatscht, denn ich vertrage in solchen Situationen einfach keine Berührungen. Und ich habe gelernt, dass das auch ok ist so, und dass ich mir auch nichts anderes gefallen lassen muss, nur weil es heute so Usus ist. Dann merkte ich, dass der Druck sich nochmals anstaute, ich atmete einfach nochmals aus – und nahm dann mit meinen eigenen Händen unser drittes Kind in Empfang. Was für ein Gefühl! Wirklich unglaublich! Es war mittlerweile 06:06 Uhr.

 

Übrigens hat mein Mann dann gleich ein Foto von mir und dem Baby gemacht und es meiner und seiner Mama geschickt. Meine Mama hat daraufhin angerufen, und während ihr mein Mann von der Geburt erzählt hat, hat es an der Tür geklingelt: es war 06:28 Uhr und die Hebamme kam dann doch auch noch dazu 🙂

 

Was ich den lesenden Frauen mit auf den Weg geben möchte:

Ich hatte keinerlei Schmerzen bei dieser Geburt. Ich habe eine gewaltige Kraft in mir gespürt ja, aber keinen Schmerz. Es war anstrengend, klar, aber dennoch wunderschön und ich habe die gesamte Geburt wirklich genossen 🙂 Ich habe jede Wehe mit ja angenommen und bin mit Freude in die nächste hinein. Eine Geburt kann so wunderschön sein! Es ist wirklich möglich! Erinnert euch an eure Urkraft. Euer Körper wurde dazu erschaffen, Kinder zu gebären. Lasst euch nicht bevormunden oder einschüchtern – glaubt an euch selbst und vertraut eurem Körper! Und erlaubt es euch selbst, eine wunderschöne, selbstbestimmte Geburt haben zu dürfen!

 

Dieser und viele weitere Erfahrungsberichte von Haus- und Alleingeburten findest du in dem E-Book “Von uns für dich”, das es seit dieser Woche GRATIS zu meinem Buch dazugibt!

 

 

ManuelaManuela Joho-Steck ist mit ihrem tollen Bericht eine von den 10 Geschichtsgeberinnen und das freut mich sehr!

Sie ist aus Liebe und Leidenschaft 3-fache Mama. Ihre Herzensberufung ist es anderen Müttern und Frauen zu helfen, das Vertrauen in die Natürlichkeit der Geburt und des Mama-Seins wieder zu finden.

Gerade macht sie sich mit ihrer Familie auf das “Abenteuer Leben”, sie geben alles auf und ziehen in die Welt. Bald wirst du mehr auf einem Blog erfahren können.

 

Nur noch für kurze Zeit gibt es das Bonus-Buch mit tollen Erfahrungsberichten von Haus- und Alleingeburten GRATIS zu meinem E-Book “Haus- / Alleingeburt – Verstanden werden und mit Ängsten umgehen” dazu!

 

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